Stiften macht Geschichte. Zum 20jährigen Jubiläum der Frankfurter Bürgerstiftung

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Die Frankfurter Bürgerstiftung erhielt das Gütesiegel des Bundesverbands Deutscher Stiftungen.

Mit Freude kann die Frankfurter Bürgerstiftung in diesem Jahr auf zwei Jahrzehnte ihres bürgerschaftlichen Engagements zurückblicken. Nachdem das Archäologische Museum (damals Museum für Vor- und Frühgeschichte) ein neues Domizil in der Karmeliterkirche gefunden hatte, gab es verschiedene Überlegungen, was mit dem Holzhausenschlößchen geschehen solle. Einflußreiche Kreise plädierten für ein Literaturhaus. Im Frühjahr 1988 kam die Idee auf, eine Stiftung zu errichten, die sich mit der Geschichte der in hervorragender Weise für das Gemeinwohl tätigen Bürger, Familien und Institutionen befassen sollte. Im Juni 1988 erklärte sich die Stadt Frankfurt grundsätzlich bereit, diese Idee zu unterstützen. Sie bot das ihr gehörende Holzhausenschlößchen an, da für das Gebäude eine langfristige und kostensparende Nutzung gefunden werden mußte. Die testamentarischen Auflagen des letzten Besitzers, Adolph Freiherr von Holzhausen, sollten dabei berücksichtigt werden. Schon früher hatte der kinderlose Freiherr die Stadt Frankfurt als seine Universalerbin eingesetzt. Unter anderem vermachte er ihr seine Gemälde- und Büchersammlung, das Familienarchiv und vor allem das Schlößchen mit dem Park. Kriegswirren und Inflation machten viele der Pläne Adolphs zunichte. So blieb von den Geldern der »Freiherr Adolf-von-Holzhausen-Stiftung«, gedacht für den Neubau der Universitätsbibliothek, nichts übrig.

Was das Holzhausenschlößchen betrifft, so hatte er festgelegt, daß »das historische Oedschlößchen (…) in einem seiner Vergangenheit entsprechenden Zustand erhalten bleibt.« Die Nutzung als Museum, z. B. eines Frankfurter Geschichte betreffenden, sollte gestattet sein, nicht aber die als Gasthaus oder Wohnhaus (Testamentsnachtrag vom 19. Sept. 1917). 1924 zog die Außenstelle Frankfurt des Reichsarchivs in das Schlößchen, wo sie bis zur Auslagerung der Bestände 1944 blieb. Nach 1945 lag das Gebäude im Sperrgebiet, ab 1952 war es Sitz des Museums für Vor- und Frühgeschichte (u.a. wohnte dort die Malerin und Bildhauerin Anneliese Sund, ihr Mann war Kunstschreiner und gleichzeitig Hausmeister des Museums. 2003 widmete die Frankfurter Bürgerstiftung der Künstlerin, die im Oktober 2008 verstarb, eine umfangreiche Ausstellung). Im Herbst 1988 lagen bereits Zusagen von Personen, Familien, Unternehmen und Stiftungen vor für eine tatkräftige finanzielle Unterstützung einer Bürgerstiftung. Im Januar des folgenden Jahres beschloß der Magistrat, der in Gründung befindlichen Stiftung das Holzhausenschlößchen zu überlassen und unter Wahrung des Denkmalschutzes herrichten zu lassen.

Die Frankfurter-Bürgerstiftung wurde am 15. Februar 1989 errichtet, am 29. März vom Regierungspräsidenten in Darmstadt genehmigt. Am 6.April wurde der Mietvertrag (symbolisch 1.- DM/Monat) mit der Stadt unterzeichnet. Am 12. Mai erfolgte der Eintrag ins Goldene Buch der Stiftungen Frankfurt am Main, am 31. Mai die Schlüsselübergabe an die Stiftung.

Die erste Veranstaltung fand dann am 15. November statt. Der Frankfurter Historiker Andreas Hansert sprach über »Bürgersinn am Gängelband? Mäzenatentum und Kulturpolitik in Frankfurt am Main«.

In den vergangenen 20 Jahren gab es:

  • 283 Vorträge
  • 274 Lesungen
  • 602 Konzerte
  • 78 literarisch-musikalische Veranstaltungen
  • 72 Ausstellungen mit zahlreichen Führungen (die meisten davon ehrenamtlich)
  • 950 Kinderveranstaltungen (Märchenstunden, Kinderbibliothek, Kinderchor, Spiel- und Spaß-Schreibwerkstatt)
  • 18 Kinderfeste

Neben den klassischen Konzerten mit renommierten Solisten und Kammermusik-Ensembles ist von Anfang an dabei das Emil Mangelsdorff Quartett. Am 20. Dezember 1989 hieß es in einem Schreiben des Quartetts: »Wir würden uns freuen, auch bei Ihnen auftreten zu können«. Seit 1990 gibt es das jährliche große Kinderfest, das zu feiern Adolph von Holzhausen 1913 verfügt hatte; nur 1993 und 1994 mußte es wegen des Umbaus des Holzhausenschlößchens ausfallen. Zahlreiche Ausstellungen fanden über Frankfurt hinaus Beachtung, so zum Beispiel:

  • Goethe und die Frauen – 1999
  • Die Portraitsammlung der Dr. Senckenbergischen Stiftung – 2000
  • Präsentation des Otto-Hahn-Nachlasses – 2001 (der private Nachlaß des Frankfurter Nobelpreisträgers konnte inzwischen durch die Ernst Max von Grunelius-Stiftung für Frankfurt erworben werden)
  • Friedrich Maximilian Hessemer – 2001
  • Siegfried Unseld, der Verleger – 2004
  • Drei Generationen Mozart in Frankfurt – 2006
  • Johann Christian Senckenberg, zum 300. Geburtstag – 2007
  • Herzenspein und Nasenschmerz. Wilhelm Busch zum 100.Todestag – 2008
  • "Was für ein Tag", Gemälde und Texte von Almut und Robert Gernhardt – 2010

Nach wie vor arbeitet unsere Stiftung ohne städtische oder staatliche Unterstützung. Zustiftungen zu unserem Stiftungsvermögen (die Frankfurter Bürgerstiftung ist eine kleine Stiftung und arbeitet mit vielen ehrenamtlichen Helfern) stärken unsere Arbeit. Das Stiftungsvermögen bleibt dauerhaft und ungeschmälert erhalten und bildet durch Zinsen zusätzliches Kapital, das unseren Projekten unmittelbar zugute kommt. Eine Mindesthöhe für Zustiftungen gibt es nicht – jeder Betrag ist willkommen. Auch mit einer testamentarischen Verfügung zugunsten der Frankfurter Bürgerstiftung können Sie Zeichen setzen. Die Frankfurter Bürgerstiftung versteht unter Stiften nicht nur das Geben von Gut und Geld, sondern ebenso auch das Einbringen von Ideen, weitblickendem Unternehmergeist, Zeit oder sozialem Engagement, kurzum alle privaten Initiativen, die eine Stadtkultur für Frankfurt am Main prägen. Sie können uns dabei helfen! Kommen Sie ins Holzhausenschlößchen und werden Sie Mitglied in unserem Freundeskreis.

Freuen Sie sich auf ein spannendes und abwechslungsreiches Jubiläumsprogramm Ihrer Frankfurter Bürgerstiftung!

IHR BÜRGERSTIFTUNGSTEAM CLEMENS GREVE, AINO KELLE, BARBARA ZOPPKE und URSULA WÖHRMANN.

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