5. "KAISERDOM" ST. BARTHOLOMÄUS

Der frisch gekrönte Kaiser Leopold II. nimmt unter dem Portal des Kaiserdoms die Huldigung der Stadt Frankfurt entgegen – personifiziert als üppige Frauengestalt, die dem Kaiser die Herzen der begeisterten Frankfurter auf dem Präsentierteller darbietet. Der Engel am oberen Bildrand bläst «Vivat Leopoldus Secundus» auf seiner Trompete, und im Hintergrund des Stadtpanoramas geht strahlend die Sonne auf. (Allegorischer Stich von J. C. Berndt, 1790)Schon nach wenigen Tagen zogen die Mozarts um. Auf dem Weg zu ihrem zweiten Domizil öffnet sich direkt hinter der «Schirn» der Blick auf den «Kaiserdom». In diesem Gotteshaus wurden die deutschen Könige und Kaiser gewählt und gekrönt – auch die Krönung Leopolds II., die Mozart 1790 noch einmal nach Frankfurt führen sollte, fand hier statt.

Der Kaiserdom auf einem Ölgemälde um 1765.Eine Kaiserkrönung: Das bedeutete für Frankfurt stets ein immenses Aufgebot an kulturellen und gesellschaftlichen Veranstaltungen. Die Festlichkeiten zogen sich über Wochen hin, verbunden mit einer unvorstellbaren Prachtentfaltung: Kirchliche und politische Würdenträger fuhren in goldenen Karrossen durch die Straßen, von morgens bis tief in die Nacht gab es Bälle, Feuerwerke, Aufmärsche, Empfänge und festliche Konzerte. Leopold II. wurde am 9. Oktober 1790 gekrönt. Unter «Läutung aller Glocken, Schmettern der Trompetten und Paucken und immerwährendem Jubelgeschrey» zogen die hohen Herrschaften in den Dom. Nach dem feierlichen, äußerst aufwendigen Ritual zog der Kaiser mit seinem Gefolge über eine mit Tuch ausgelegte hölzerne Brücke zum Festmahl in den Römer. Anschließend trieb sich das Volk zu Tausenden in den verwinkelten Straßen und Gassen der Altstadt herum. Nach alter Tradition wurde auf dem Platz vor dem Römer ein am Spieß gebratener Ochse dem Volk «preisgegeben». Dazu floß roter und weißer Wein in Strömen aus einem Brunnen, es wurde ein großer Berg Hafer für das Volk aufgeschüttet, es wurden Münzen geworfen – das nannte man in Frankfurt die «Verrichtung der Erzämter». Beim Streit um die besten Stücke ging es mit Hauen und Stechen zu; gelegentlich soll es sogar Tote gegeben haben.