9. "BACKHAUS", KALBÄCHER GASSE 10

Wolfgang Amadeus Mozart beim Komponieren, den Mantel flüchtig über die Stuhllehne geworfen, als sei er schon auf dem Heimweg von seinen musikalischen Inspirationen überrascht worden – so stellte sich die Nachwelt das Leben des Genies vor.Schon am nächsten Tag zog Mozart wieder um:

«Wo glaubst du daß ich wohne – bey Böhm im nemlichen Hause; Hofer auch. wir zahlen 30 gulden das Monath, und das ist noch ausserordentlich wenig. – wir gehen auch zu ihnen in die kost.»

Theaterdirektor Heinrich Böhm wohnte in der Kalbächer Gasse (der sogenannten «Freßgass’») im alten «Backhaus». Bis heute haben sich hier immer wieder Bäckereien, Konditoreien und Feinkostgeschäfte angesiedelt. Die Unterkunft war tatsächlich einigermaßen billig (und offenbar wenig komfortabel). Zum Vergleich: Frau Rat Goethe gab in einem Brief nach Weimar die Auskunft, zur Kaiserkrönung müsse man schon elf Gulden pro Nacht veranschlagen, plus 2 Gulden für die Verpflegung.

Den Theaterdirektor Böhm kannte Mozart schon lange. Seine Truppe hatte im Wechsel mit zwei anderen Gesellschaften für die theatralischen Lustbarkeiten während der Krönungszeit zu sorgen.

Glaubt man den Briefen an Konstanze, so hat Mozart in den ersten Tagen seines Frankfurter Aufenthalts vor allem gearbeitet: Mozart komponierte ein Adagio für ein Orgelwerk, um seinem «lieben Weibchen etwelche Ducaten in die Hände zu spielen» – möglicherweise handelte es sich dabei um ein Auftragswerk für das Wachsfigurenkabinett des Grafen Deym in Wien (KV 594).

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