12. ZEIL

Mit der beschaulichen Zurückgezogenheit der ersten Tage war es bald vorbei: Mozart wurde überall herumgereicht und in den ersten Häusern zum Essen eingeladen:

«P.S.: Gestern habe ich bei dem reichsten Kaufmann in ganz Frankfurt gespeist, bei Herrn Schweitzer», teilt er Konstanze am 3. Oktober mit.

Franz Maria Schweitzer, Bankier und Seidenhändler, ließ von 1787-1792 ein prächtiges Palais auf der Zeil bauen, das nachmals als «Russischer Hof» zu einer ersten Adresse der Stadt wurde. Außerdem war Mozart bei dem angesehenen Stadtphysicus Johann Wilhelm Friedrich Dietz zu Gast. Der kunstsinnige Dietz bewohnte ein geräumiges Haus auf der Zeil gegenüber dem Gasthof zum «Römischen Kaiser» (Ecke Schäfergasse) und war für seinen lebenslustigen, geradezu verschwenderischen Lebensstil bekannt (wodurch er sich schließlich um seinen ganzen Besitz brachte). Hier begegnete Mozart auch Johann August Tabor, dem Pächter des Komödienhauses, und dem Kammerherrn Ignaz von Beecké, einem brillanten Klavierspieler.Wenn er nicht eingeladen war, verbrachte Mozart mit seinen neuen Frankfurter Freunden die Abende in der Weinwirtschaft Kran in der Bleidenstraße.Von all diesen Häusern haben wir nur noch historische Bilder.

Ankündigung zu Mozarts Konzertmatinee am 15. Oktober 1790. Was genau gespielt wurde, läßt sich nicht mit Sicherheit rekonstruieren. Der von Mozart erhoffte finanzielle Erfolg blieb jedenfalls aus.Als Mozarts Konzert am 15. Oktober 1790 endlich im Komödienhaus stattfinden konnte, war der Höhepunkt der Krönungsfeierlichkeiten schon vorbei; viele Gäste waren bereits wieder abgereist.

«… heut 11 Uhr war meine Academie, welche von Seiten der Ehre herrlich, aber in Betreff des Geldes mager ausgefallen ist. – Es war zum Unglück ein groß Dejeuné bei einem Fürsten und großes Manoever von den Hessischen Truppen … ich war aber ohngeacht diesem allen so gut aufgelegt, und gefiel so sehr, daß man mich beschwor, noch eine Academie künftigen Sonntag zu geben – Montag reise ich dann ab.» (Mozart an Konstanze, Frankfurt, 15. Oktober 1790)

Die genaue Programmfolge läßt sich nicht mehr ausmachen. Es dürfte wohl eine der drei 1788 entstandenen Symphonien Es-Dur KV 543, g-Moll KV 550 oder C-Dur KV 551 gespielt worden sein, außerdem das Klavierkonzert in FDur KV 459 oder auch das in D-Dur KV 537 sowie Arien anderer Komponisten. Mozarts freie Improvisation war ein besonderer Höhepunkt. Noch vor der angekündigten letzten Symphonie wurde das Konzert abgebrochen – es hatte drei Stunden gedauert, und den Zuhörern knurrte der Magen.

Der Stadtphysicus Johann Friedrich Wilhelm Dietz (1735 – 1805), bei dem Mozart des öfteren zu Gast war. Er bewohnte ein geräumiges Haus auf der Zeil gegenüber dem Gasthof «Zum Römischen Kaiser». Er besaß Mozart-Autographe, die sämtlich verschollen sind.Die drei Frankfurter Zeitungen – «Journal», «Oberpostamtszeitung» und «Staats-Ristretto» – berichteten jeden Tag ausführlich von den gesellschaftlichen Ereignissen rund um die Kaiserkrönung; von Mozarts «Academie» nahmen sie jedoch keine Notiz. Zu einem zweiten Konzert kam es nicht mehr. Am 16. Oktober reiste Mozart ab.

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