14. ZEIL – EHEMALIGE HAUPTPOST

Die Zeil mit dem «Rothen Haus». Hier erlebte Franz Xaver Wolfgang Mozart eine denkwürdige Aufführung von Mozarts Requiem durch den Cäcilien-Verein. Der Saal war schwarz drapiert und festlich beleuchtet, die Zuhörer erschienen in Trauerkleidung; es wurden Gedichte aufgesagt. Zehn Tage später konzertierte Franz Xaver selbst im «Rothen Haus» und wurde begeistert gefeiert.Am 5. Dezember – Mozarts Todestag – führte der Cäcilien-Verein im «Rothen Haus» auf der Zeil im Beisein Franz Xaver Mozarts das Requiem auf – kurioserweise ohne Orchester,weil die Musiker am selben Abend «Figaros Hochzeit» zu spielen hatten.

Der Neubau des «Rothen Hauses» (Zeil Lit D 21-23, später Nr. 52) war 1769 eröffnet worden. Später befand sich hier die Hauptpost. Das gesamte Gebiet wird zur Zeit neu gestaltet. Im «Rothen Haus» hatten sich Johann Wolfgang Goethe und Thronfolger Karl August von Weimar kennengelernt. Es wurde für Konzerte und zeitweise sogar als eine Art Spielcasino genutzt. Am 15. Dezember 1820 gab der junge Mozart in diesem Haus selbst ein Konzert, wieder unter Mitwirkung des Cäcilien-Vereins.

Anders als die «Academie» des Vaters vor dreißig Jahren erfreute sich dieses Konzert eines lebhaften Zuspruchs.

«Frankfurt am Main. Das Concert des Hrn. Mozart war eines der glänzendsten und besuchtesten der letzten Zeit. Die von dem Concertgeber vorgetragenen Stücke seiner Composition beurkundeten Talent und gründliche Kenntniss des Satzes. Das erste Allegro eines Pianoforte-Concerts ist gewiss höchst ausgezeichnet zu nennen; auch die Variationen über ein russisches Thema zeugen von Geschmack und Fantasie. – Die Aufführung der grossen Mozart’schen Sinfonie aus C mit der Fuge gelang vollkommen und entflammte zur Begeisterung. Hr. Schelble sang zwey Arien aus Titus mit bekannter Vorzüglichkeit… Den Schluss machte eine, hier noch nicht gehörte Cantate von Mozart; von den Mitgliedern des Cäcilien-Vereins ausgezeichnet vorgetragen.» So berichtete die «Leipziger Allgemeine Musikalische Zeitung».