15. ALTE MAINZER GASSE / MAINKAI 35

Der Verleger Johann André (1775 – 1842). Er erwarb Mozarts Nachlaß und brachte viele bislang unver-öffentlichte Werke des Komponisten in seinem Verlag heraus. Franz Xaver Mozart besuchte ihn im Dezember 1820.Während seines Frankfurter Aufenthalts traf Franz Xaver Mozart mit den wichtigsten Persönlichkeiten des musikliebenden Frankfurter Bürgertums zusammen: Er war zum Soupé bei Wilhelm Manskopf eingeladen, musizierte bei der Familie Passavant, unternahm Ausflüge nach Offenbach zum Verleger Johann André. Er lernte den Komponisten Franz Xaver Schnyder von Wartensee und den Konzertmeister Heinrich Hoffmann kennen. Im Theater – es war noch immer das schöne Komödienhaus, in dem einst sein Vater konzertiert hatte – sah er Boieldieus «Kalifen von Bagdad» und Süßmayrs Singspiel «Soliman der Zweite oder Die drei Sultaninnen». Auch bei der Familie Neufville war der junge Mozart zu Gast: Es waren die Nachkommen jener Bankiers, über deren Bankrott 1763 Großvater Leopold berichtet hatte.

Marianne Willemer (1784 – 1860), eine der Gründerinnen des Cäcilien-Vereins. Sie war mit Johann Wolfgang Goethe befreundet, hatte maßgeblichen Anteil an dessen «Westöstlichem Divan» und berichtete in ihren Briefen viel von der Arbeit des Cäcilien-Vereins. Franz Xaver Mozart war mehrfach bei ihr und ihrem Mann zu Gast.Eine nicht unbeträchtliche Rolle im Frankfurter Musikleben spielte Marianne von Willemer. Sie war die treibende Kraft bei der Gründung des Cäcilien-Vereins gewesen und hoffte, auf diese Weise auch Johann Wolfgang Goethe wieder für das kulturelle Leben der Stadt Frankfurt zu interessieren. In ihren Briefen an Goethe ist oft von Schelble und von der Arbeit des Chores die Rede. Franz Xaver Mozart war mehrfach bei Willemers zu Gast – wahrscheinlich im Haus an der Mainfront, und nicht in der Gerbermühle.

In diesem «Haus zum Rothen Männchen» zwischen Mainzergasse und Mainkai hatten Johann Jakob und Marianne Willemer ihre Stadtwohnung. Später befand sich hier eine Badeanstalt.Johann Jakob Willemer hatte das Haus «Zum rothen Männchen» (ursprünglich «Mündelein») 1796 erworben. Es reichte von der heutigen Alten Mainzer Gasse 5 bis zum Mainkai 35. In den großzügig gestalteten Räumen dieses stattlichen Hauses konnte die Familie Willemer einen gediegenen Luxus entfalten. Der Schiffslandeplatz befand sich direkt vor seinen Fenstern; man blickte auf die großen Kräne, die schon Leopold Mozart 1763 bewundert hatte. Sie waren bis weit ins 19. Jahrhundert hinein in Gebrauch.

Nach einem «ziemlich langweiligen» Silvesterabend bei der Familie Bernard und diversen Abschiedsbesuchen reiste Franz Xaver Mozart am 3. Januar 1821 aus Frankfurt ab. Johann Nepomuk Schelble (1789 – 1837), berühmter Sänger und Leiter des Cäcilien-Vereins. In seinem Hause wohnte Franz Xaver Mozart während seines Frankfurter Aufenthalts.Sein Fazit (Zitat Seite 24) läßt ein wenig an die Worte seines Vaters denken, es sei «alles Prallerey», was man über die Reichsstädte sage. Immerhin: Das Frankfurter Musikleben stand durch den Cäcilien-Verein in voller Blüte, Franz Xaver gründete zu Hause seinen eigenen Cäcilien-Verein, und Johann Nepomuk Schelble schrieb in Mozarts Stammbuch:

«Nimm theurer Freund beym Abschiede meine Liebe und Verehrung mit Dir! Kurz nur warst Du mir gegeben, aber unvergänglich, was ich empfing. Möge der Himmel uns bald wieder zusammen führen und wenn es möglich ist, auf immer.»