VORWORT

Clemens Greve, Geschäftsführer © FranzBischof

Zum Mozartjahr 2006, dem 250. Geburtstag von Wolfgang Amadeus Mozart, gab es zahlreiche Veranstaltungen in Frankfurt am Main. Auch die Frankfurter Bürgerstiftung hat im Holzhausenschlößchen und an anderen Veranstaltungsorten in Frankfurt Konzerte, Lesungen, Vorträge, Kinderveranstaltungen und eine Ausstellung durchgeführt.

Mozart besuchte Frankfurt zweimal, zu Beginn und am Ende seines Lebens. Alle wichtigen Orte, die er während seiner Aufenthalte in Frankfurt besuchte, sollen in diesem Frankfurter Mozart-Stadtführer in alten und gegenwärtigen Ansichten und anhand des Merian-Stadtplans und in ausführlichen Beschreibungen veranschaulicht werden. Aber auch der einmonatige Aufenthalt des Mozartsohnes und Komponisten Franz Xaver findet in diesem Stadtführer Beachtung. Der Musikwissenschaftlerin Dr. Ulrike Kienzle ist es zu verdanken, daß wir in diesem Stadtführer Näheres über seinen Aufenthalt im Jahr 1820 in Frankfurt erfahren können. In einer im Januar 2006 stattfindenden Ausstellung «Drei Generationen Mozart in Frankfurt» untersuchten wir u.a. auch diesen Aufenthalt ausführlich.

Nicht nur erwähnt sei aber auch die Arbeit der 1838 in Frankfurt gegründeten Mozart-Stiftung, die eine der ersten Fördereinrichtungen für junge Komponistinnen und Komponisten ist. U. a. wurden durch diese Stiftung Max Bruch und der Komponist von «Hänsel und Gretel», Engelbert Humperdinck, unter- stützt. Aus der Biographie seines Sohnes Wolfram erfahren wir, daß der eigentliche Entschluß, sich dem Musikstudium zu widmen, auf den Rat eines gebürtigen Frankfurters, den «Rheinischen Musikpapst» Ferdinand Hiller, zurückging, der damals das Konservatorium in Köln leitete und den jungen Engelbert Humperdinck in seine Obhut nahm.

Doch was hat das alles mit der Frankfurter Mozart-Stiftung von 1838 zu tun? Sehr viel, schließlich war es Hiller, der Humperdinck ein Stipendium der Mozart-Stiftung besorgte, das ihm ein sorgenfreies Studium ermöglichte. Zuvor war Humperdinck schwer erkrankt und mußte sein Studium unterbrechen. Da setzte sich Hiller für die Zusage eines Stipendiums der Mozart-Stiftung ein, das wieder «frohe Stunden ins Elternhaus» brachte. Dieses Stipendium ermöglichte immerhin das Studium für vier weitere Studienjahre, anfangs in Köln und anschließend in München.

Weshalb schreibe ich darüber so ausführlich? Die Frankfurter Bürgerstiftung ist seit 2003 Mitglied im Verein «Europäische Mozart-Wege»; als Geschäftsführer der Bürgerstiftung bin ich u.a. auch Mitglied des Verwaltungsrates der in Frankfurt beheimateten Mozart-Stiftung, und so liegt es nahe, daß ich für den wichtigen Mozartort Frankfurt werbe, dies aber nicht nur im Hinblick auf die interessante Vergangenheit, sondern auch mit einem Blick in die Zukunft: was können wir, die Freunde und Förderer der Frankfurter Bürgerstiftung und alle Freunde der Musik von Wolfgang Amadeus Mozart tun? Wir können dafür sorgen, daß die Mozart-Stiftung unsere Hilfe erfährt, indem wir für deren Arbeit, d. h. die Unterstützung junger hilfsbedürftiger musikalischer Talente bei ihrer Ausbildung in der Kompositionslehre, spenden. 1923 ist das Stiftungsvermögen der Mozart-Stiftung von 240000 Goldmark auf 3000 Goldmark zusammengeschrumpft. Durch eine Vielzahl von kleinen Spenden konnte die Stiftung bis zum heutigen Tag ein bescheidenes Stiftungskapital zusammentragen, das gerade für eine kleine regelmäßige Unterstützung dreier Stipendiaten reicht. Fangen wir in der Europastadt Frankfurt an, helfen wir alle mit, die Mozart-Stiftung zu unterstützen, damit im Jahr 2006 vielleicht noch ein weiteres Stipendium ermöglicht und ein interessantes Musikprogramm mit den Werken Wolfgang Amadeus Mozarts und den Werken der Stipendiaten der Mozart-Stiftung zur Aufführung kommt. Ich finde, es ist unsere Aufgabe, der Mozart-Stiftung im Mozart-Jubiläumsjahr neuen, aktuellen Auftrieb zu verleihen, damit ihre wertvolle Arbeit auch auf Dauer weitergeführt werden kann. Das Mozartjahr nahmen wir, die Frankfurter Bürgerstiftung, zum Anlaß, um auf diese kleine wichtige Stiftung aufmerksam zu machen.

Frau Dr. Ulrike Kienzle möchte ich sehr herzlich für die gute Zusammenarbeit bei der Verwirklichung dieses gelungenen Mozart-Stadtführers danken. Und der Frankfurter Mozart-Stiftung, die im Laufe ihrer Geschichte zahlreiche junge Talente gefördert hat, wünsche ich, daß ihr wieder größere Aufmerksamkeit geschenkt wird. Ganz besonders möchte ich den Mitarbeitern des Historischen Museums Frankfurt für ihre partnerschaftliche Zusammenarbeit im Rahmen unserer gemeinsamen, zwischen dem 8. Januar und dem 24. Februar 2006 im Holzhausenschlößchen gezeigten Ausstellung danken, namentlich Herrn Dr. Jan Gerchow, Frau Anja Damaschke und Herrn Oliver Morr.

Ihr Clemens Greve
STIFTUNGSGESCHÄFTSFÜHRER

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