Literatur
LANGE NACHT DER AUTOREN: Im Rahmen der hessisch-sächsischen Literaturtage 2009
»Von Sachsen nach Hessen – Einheitserfahrungen«
9. – 12. September 2009 in Frankfurt am Main
Es lesen: Dorit Zinn, Jens Wonneberger, Doris Lerche, Heike Geißler, Rolf Bergmann, Jan Kuhlbrodt, Heinrich Droege und Thomas Kunst.
Moderation: Regine Möbius und Horst Senger
Vorbericht zur Langen Nacht der Autoren

In der „Langen Nacht der Autoren“ treffen vier hessische AutorInnen auf vier KollegInnen aus Sachsen. Gemeinsam liefern sie einen kaleidoskopartigen Überblick über die aktuelle Literaturlandschaft der beiden Bundesländer und deutsch-deutsche Wirklichkeiten aus den letzten Jahrzehnten bis heute.
Dorit Zinn, geboren 1940 in Dessau, Studium in Leipzig, floh 1964 aus der DDR. Lebte anschließend in West-Berlin und der Schweiz, bevor es sie 1972 nach Darmstadt verschlug. Ihr Roman „Ostzeitstory“ schildert eine Jugend in der DDR, vom Schulverweis wegen des Tragens einer Rock’n’-Klammer am Kragen bis zur dramatischen Flucht über die Mauer.
Jens Wonneberger, Jahrgang 1960, lebt in Dresden. Er studierte Bauingenieurwesen in der DDR und arbeitet seit 1992 als freiberuflicher Autor und Redakteur. Wonneberger schreibt für das Dresdner Stadtmagazin SAX und veröffentlicht Erzählbände und Romane sowie Texte zur Dresdner Kulturgeschichte. In diesem Sommer erscheint sein Erzählungsband „Heimatkunde Dresden“.
Doris Lerche studierte Psychologie, Kunstpädagogik und Grafik-Design. Seit 1976 lebt sie in Frankfurt am Main, 1986 gehörte sie zu den Gründern der „Romanfabrik“. In Cartoons, Erzählungen, Gedichten, Romanen, Theaterstücken und satirisch-musikalischen Performances bearbeitet sie bevorzugt den Themenbereich Liebe/Beziehung/Sexualität. Im September erscheint ihr neuer Gedichtband „Zungenspitzen“.
Heike Geißler, geboren 1977 in Riesa, aufgewachsen in Chemnitz, lebt heute in Leipzig. Sie studierte in Dresden, München und Halle/Saale. Bislang veröffentlichte sie zwei Romane, zuletzt „Nichts, was tragisch wäre“, die Geschichte einer kleinen Revolte, in der eine Autorin kurz vor der Fertigstellung ihres Romans steht, als sie feststellt, dass ihr die Lieblingsfigur abhanden gekommen ist.
Rolf Bergmann, Jahrgang 1942, wuchs in Dresden auf. 1961 übersiedelte er nach Frankfurt am Main, lebte zwischenzeitlich in Heidelberg und Mannheim, kehrte aber immer wieder nach Frankfurt zurück, bevor es ihn 2006 wieder nach Dresden zog. Sein Roman „Damals im roten Kakadu“ erzählt ein Stück Zeitgeschichte aus Dresden, die auch in einem Spielfilm verewigt wurde.
Jan Kuhlbrodt, geboren 1966 in Karl-Marx-Stadt, lebt heute in Leipzig. Er studierte Philosophie in Frankfurt/Main und später am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Seit 2007 ist er Redakteur der preisgekrönten Literaturzeitschrift EDIT. In seinem Roman „Schneckenparadies“ zeichnet der Autor mit leicht melancholischem Blick ein Bild aus den Zeiten des deutsch-deutschen Umbruchs.
Heinrich Droege, Jahrgang 1933, ist Frankfurter seit Geburt. Er war Bundesvorsitzender des Werkkreises Literatur der Arbeitswelt, Gründungsmitglied und erster Vorsitzender der Literaturgesellschaft Hessen e.V. und Betreiber des Aarachne-Verlags, Frankfurt/Wien. Sein Roman „Opernbrand“ thematisiert die Brandstiftung in der Frankfurter Oper im Jahre 1987 durch einen DDR-Flüchtling.
Thomas Kunst, geboren 1965 in Stralsund, lebt heute in Leipzig. Seit 1987 arbeitet er als Bibliotheksassistent in der Deutschen Bücherei Leipzig. Er veröffentlicht er mehrere Lyrikbände sowie zwei Romane, außerdem verschiedene CDs mit improvisierter Musik unter dem Namen „Mitleid in Toronto“. Im Herbst erscheint „Strandkörbe ohne Venedig. Eine Romanresignation“.
ORT: Holzhausenschlösschen, Justinianstraße 5, 60322 Frankfurt am Main
Keine Kartenreservierung möglich. Informationen erteilt Herr Alexander Pfeiffer, E-mail: vs-hessen@alexanderpfeiffer.de
Ich wurde 1919 geboren, übrigens ungefragt. Zum 90. Geburtstag von Horst Krüger »Erinnerungen«
Ein Gedenkabend mit Texten von Horst Krüger, Dokumenten und Gesprächen mit: Christian Brückner, Hetty Krist, Volker Michels und Hanne Kulessa
Horst Krüger, geboren 1919 in Magdeburg, verlebte seine Kindheit und Jugend in Berlin. Er studierte Philosophie und Literaturwissenschaften an der Freien Universität Berlin und in Freiburg im Breisgau.Von 1952 bis 1967 leitete er das Literarische Nachtstudio des Südwestfunks in Baden-Baden. 1966 debütierte er mit dem autobiographischen Werk Das zerbrochne Haus. Eine Jugend in Deutschland. Seit 1967 lebte er als freier Schriftsteller in Frankfurt am Main und schrieb vor allem Reise-Erzählungen, die oft eine sozial-ethnographische Perspektive einnahmen. Krügers Themen waren stets auch die nationalsozialistische Vergangenheit und ihre Folgen, die deutsche Teilung und die Erinnerungen an seine Jugend in Berlin-Eichkamp. Für seine Arbeit erhielt er zahlreiche Aus zeichnungen, u.a. den Deutschen Kritikerpreis (1973) und die Goldene Kamera für das Drehbuch zum Film Der Kurfürstendamm (1982). Er war Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und des P.E.N.-Zentrums der Bundesrepublik Deutschland. Horst Krüger verstarb 1999 in Frankfurt am Main.
»Lyrik im Schloß« Länder und Landschaften in lyrischen Erkundungen: Ungarn
Mit dem Menschenrecht auf Poesie begann 2007 die Reihe »Lyrik im Schloß«. Bisher wurde in Lesungen und Vorträgen rumänische, russische, englische und amerikanische Lyrik vorgestellt. Im Jubiläumsjahr setzen wir die Reihe fort mit ungarischer Lyrik, vorgestellt von Zsuzsanna Gahse und Birgitta Assheuer, und ukrainischer Lyrik, vorgestellt von Jurko Prochasko und Birgitta Assheuer.
Die Schriftstellerin und Übersetzerin Zsuszanna Gahse wurde 1946 in Budapest geboren. Sie lebte ab 1956 in Wien, dann in Stuttgart, heute in Müllheim/Schweiz. Zsuzsanna Gahse hat Prosa, Essays, Szenische Texte und Übersetzungen aus dem Ungarischen veröffentlicht. Sie wurde für ihr schriftstellerisches Werk u.a. ausgezeichnet mit dem Werkpreis der Schweizer Schillerstiftung, dem Bodenseepreis für Literatur und dem Adalbert-von-Chamisso-Preis. 2008 war sie Poetikdozentin an der TU Dresden.
Birgitta Assheuer ist Sprecherin und zu hören in zahlreichen Kultur- und Literatursendungen der Rundfunkanstalten, in renommierten Fernsehmagazinen wie Kulturzeit (3sat), titel thesen temperamente (ARD), Metropolis (Arte), in Sendereihen wie Bilderbuch Deutschland (WDR), bei Musik- und Literaturfestivals, als Erzählstimme in Kino- und Fernsehdokumentationen. Für Hörbuchverlage liest sie Romane und Lyrik. Szenische Lesungen gehören ebenso zu ihrem Repertoire wie Konzertlesungen, zum Beispiel mit dem hr-Sinfonieorchester in Frankfurt. Nach ihrem Studium der Germanistik und Musik in Köln ergaben sich über die Kompositionsklasse von Mauricio Kagel Solo- und Ensembleauftritte im Rahmen der Neuen Musik und etliche freie Projekte. Entscheidend für ihren Zugang zum Textmaterial waren Studien bei Zygmunt Molik, der Sprech-Film-Schauspielunterricht bei Yurek Bogayewicz, beide Mitglieder des einstigen Grotowski-Theater-Laboratoriums. Brigitta Assheuer lebt in der Nähe von Frankfurt am Main.
Konzeption und Betreuung der Reihe »Lyrik im Schloß«: Hanne Kulessa
Schüler und Studenten haben freien Eintritt!
Hans Christoph Buch liest aus: Reise um die Welt in acht Nächten (Frankfurter Verlagsanstalt)
Hans Christoph Buch ist der große Reisende unter den deutschen Schriftstellern. Jetzt legt er einen neuen Abenteuer- und Reiseroman vor, voller unterhaltsamer Geschichten. Wir begleiten den namenlosen Erzähler, einen furchtlosen und kritischen Beobachter, auf acht seiner Reisen. In Mumbai bewegt sich der Erzähler durch die Rotlichtbezirke der Stadt, er ist gleichermaßen angezogen und abgestoßen vom Schmutz und vom billigen Sex an jeder Ecke. Eine Minderjährige bietet sich ihm an, um ein Haar gibt er einem seltsamen Verlangen nach. Er begleitet einen Arzt und HIV-Experten, der ihn mit dem ganzen Elend der Prostitution konfrontiert. In der Hitze ein nicht enden wollendes Hupkonzert, die Abgase formen schwere Wolken, darüber steht die flirrende Sonne. Weiter reisen wir nach Islamabad, folgen dem Erzähler auf seiner Suche nach einem halbwegs legalen Whiskey und dem verschwundenen deutschen Kriegsreporter Kapruner. Zusammen mit einer kleinen deutschen Kulturdelegation kommen wir nach Beijing und Shanghai, sitzen mit ihm in der Kälte im Packeis der Antarktis fest, delirieren in der Hitze des Senegals und des Kongos und landen inmitten der Wirren eines Putsches auf Haiti.
Entstanden ist ein lebendiger und humorvoller Reiseroman, der die Welt abseits bekannter touristischer Ziele ebenso liebevoll wie aufmerksam beobachtend beschreibt. Eine Travestie und Burleske, eine abenteuerliche Reise um die Welt in acht Nächten.
Hans Christoph Buch war 1963 der vielleicht jüngste Teilnehmer der Gruppe 47 überhaupt. Als Essayist und Reporter ist er Verfasser unzähliger politischer Artikel und Reisereportagen, insbesondere aus dem karibischen Raum und aus afrikanischen Krisengebieten. 2004 erhielt er den renommierten Preis der Frankfurter Anthologie. In der FVA erschien 2007 seine Novelle „Tod in Habana“.
»In meinen Träumen läutet es Sturm« Astrid Jacob gestaltet einen Abend mit Texten von Mascha Kaléko
Jüdische Gemeinde Frankfurt in Zusammenarbeit mit der Frankfurter Bürgerstiftung im Rahmen der Jüdischen Kulturwochen
Mein schönstes Gedicht?
Ich schrieb es nicht.
Aus tiefsten Tiefen stieg es.
Ich schwieg es.
Mascha Kaléko
Mit viel Wärme macht sie [Astrid Jacob] den Menschen Mascha Kaléko lebendig, für den die erste Nachkriegszeit schon wieder Vorkriegszeit bedeutet, die Frau, die mit Witz männliche Gleichgültigkeiten aufspießt, die Europäerin, die mit Amerika zusammenprallt, in Paris das zärtliche Gestern wieder findet und nach Berlin immer noch sucht.
(Münchner Merkur, 5. Juli 1979)
Mascha Kaléko wurde 1907 im galizischen Schidlow (heute Polen) geboren. Die Mutter flüchtete mit ihren beiden Töchtern 1914 vor Pogromen nach Deutschland, wo Mascha Kaléko in Frankfurt am Main, Marburg und Berlin ihre Schulzeit verbrachte. Ab 1925 arbeitete sie im Büro des Arbeiterfürsorgeamts der jüdischen Organisationen Deutschlands in Berlin. Das lyrische Stenogrammheft, das sie berühmt machte, wurde 1933 veröffentlicht: bereits wenige Monate nach seinem Erscheinen fiel es nationalsozialistischen Bücherverbrennungen zum Opfer. 1938 ging sie mit ihrem Mann und ihrem Sohn in die Vereinigten Staaten, 1960 emigrierte die Familie nach Israel. Nach dem Krieg wurde Das lyrische Stenogrammheft im Rowohlt-Verlag wieder verlegt, doch obwohl Mascha Kaléko weiterhin als Dichterin, Werbetexterin und Kinderbuchautorin schriftstellerisch tätig war, konnte sie an ihren großen Erfolg in Deutschland nicht anknüpfen. Sie starb 1975 – nach dem Tod ihres Sohnes und Mannes – in Zürich.
Astrid Jacob erhielt ihre Ausbildung an der Westfälischen Schauspielschule Bochum, Engagements als Schauspielerin u.a. in Bochum, Saarbrücken, Krefeld, Nürnberg, Frankfurt am Main und am Staatstheater Stuttgart folgten. Als Kabarettistin wirkte sie im Ensemble der Münchner Lach- und Schießgesellschaft mit. Astrid Jacob beschäftigte sich seit 1977 mit dem Werk Mascha Kalékos und war damit eine der ersten, die deren literarisches Erbe wiederentdeckten. Für ihre literarischen Abende bei der Lach- und Schießgesellschaft mit Mascha Kalékos Texten und Fernsehaufzeichnungen wurde Astrid Jacob mit mehreren Kulturpreisen ausgezeichnet. Seit 1991 arbeitet sie als freischaffende Regisseurin, sowohl im Schauspiel als auch im Musiktheater. Sie ist seit 2007 Intendantin der Schloßfestspiele Willich-Neersen.
»Literatur im Schloß: Die Manns« Der kleine Grenzverkehr. Zum Verhältnis von Wirklichkeit und Literatur in den großen Romanen Thomas Manns.
Vortrag von Prof. Dr. Hans Wißkirchen, Buddenbrookhaus Lübeck
Thomas Manns Romane stehen alle in einem ganz einzigartigen Verhältnis zur Wirklichkeit. Sie zeugen auf der einen Seite von einem ausgeprägten Realismus. Die Oberfläche der Realität, die Einzelheiten der Menschen, Landschaften, Gebäude und Gegenstände werden oft genauestens geschildert. Sie spielen auf der anderen Seite in Traumwelten, die mit der geschilderten Wirklichkeit kaum etwas gemein haben. Wie das komplizierte Wechselspiel sich darstellt, wie seine Kunst es immer wieder schafft, diesen eigentlich unüberbrückbaren Gegensatz zu überwinden – das versucht der Vortrag anhand von Beispielen zu zeigen. Die behandelten Romanwelten reichen dabei von den frühen Buddenbrooks bis hin zum Spätwerk, dem Doktor Faustus und dem Felix Krull.
Prof. Dr. Hans Wißkirchen, geboren 1955 in Düsseldorf, studierte Germanistik und Philosophie und promovierte über Thomas Manns »Der Zauberberg« und »Doktor Faustus«. Seit 1993 ist er Leiter des Buddenbrookhauses, seit 2001 als Direktor der Kulturstiftung Hansestadt Lübeck auch für das Günter Grass-Haus verantwortlich. Seit 2006 ist er als geschäftsführender Direktor der LÜBECKER MUSEEN und Honorarprofessor für Neuere Deutsche Literatur an der Medizinischen Universität zu Lübeck tätig. Hans Wißkirchen ist Vorstandssprecher der Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten in Berlin sowie Präsident der Deutschen Thomas Mann-Gesellschaft und Vizepräsident der Heinrich Mann-Gesellschaft.
»Literatur im Schloß: Die Manns« “Spitzbübischer Spötter“ und „Treuherzige Nachtigall“? Thomas Mann und Hermann Hesse – zur Genese einer Freundschaft.
Vortrag von Volker Michels, Suhrkamp Verlag Frankfurt, mit anschließender Diskussion
Verschiedener kann man nicht sein als der großbürgerliche Kaufmannssohn Thomas Mann und der zivilisationskritische Hermann Hesse, Sohn pietistischer Missionare. Thomas Mann: von weltläufiger Eleganz, virtuos, extrovertiert und stets auf Repräsentanz bedacht; Hermann Hesse: schwäbisch-bedächtig, öffentlichkeitsscheu und introvertierter Outsider. Enzyklopädist und norddeutscher Leistungsethiker der eine, Lyriker, Maler und asketischer Moralist der andere. Und dennoch beide: Inbegriff besten Deutschlands des letzten Jahrhunderts mit einem Lebenswerk von einzigartigem Reichtum und gleichermaßen weltweiter Wirkung. Auf welche Weise diese so unterschiedlichen Charaktere zusammenfanden, ist eines der Themen dieses Vortrags. Ein anderes ist ihr Humor, ihr unterschiedliches und höchst aufschlußreiches Verhältnis zur Musik, ihr Leiden an Deutschland, das Hesse bereits 1912, Thomas Mann 1933 dazu bewogen hat, die Heimat zu verlassen. Diese und weitere verblüffende Gemeinsamkeiten, die trotz gegensätzlicher Naturelle eine Freundschaft ermöglicht haben, zeigt Volker Michels anhand der Korrespondenz der beiden Dichter und am Beispiel noch unbekannter Aufzeichnungen aus Hermann Hesses Nachlaß, die in ihrer unstilisierten Offenheit als Gegenstück zu den Tagebuchnotizen Thomas Manns gesehen werden können.
Volker Michels, 1943 in Villingen, Schwarzwald, geboren, besuchte die Schule Schloß Salem und studierte Medizin und Psychologie in Freiburg und Mainz. Seit 1970 war er als Lektor für deutsche Literatur und als Herausgeber zahlreicher Autoren und Editionen im Suhrkamp und Insel Verlag tätig. Besonders widmete er sich der Publikation der nachgelassenen Schriften, Briefe, der politischen und kulturkritischen Schriften von Hermann Hesse sowie von Materialienbänden zu den Hauptwerken dieses Autors. Im Jahr 2008 schloß er die Arbeit an der ersten Gesamtausgabe der Werke Hermann Hesses ab – diese umfaßt 21 Bände und 14.000 Seiten.
»Literatur im Schloß: Die Manns« Heinrich Mann und Thomas Mann. Ein deutscher Bruderzwist. Aus den Quellen dokumentiert von Hanjo Kesting.
Ein literarischer Abend von Dr. h. c. Hanjo Kesting mit Ursula Illert, Siegfried W. Kernen und Jochen Nix; Einführung: Dr. h. c. Hanjo Kesting
Als der Erste Weltkrieg begann, standen sie auf der Höhe ihres Lebens und gehörten zu den namhaftesten deutschen Autoren: die Brüder Heinrich Mann und Thomas Mann. Der jüngere Thomas hatte mit den Buddenbrooks die europäische Romankunst des 19. Jahrhunderts vollendet, der ältere Heinrich galt als Meister politischer Satire, auch wenn sein Roman Der Untertan 1914 nicht mehr erscheinen konnte, und als Ziehvater des Expressionismus (»der Meister, der uns alle schuf« nach einem Wort von Gottfried Benn).
Vieles verband die großen Brüder, in vielem waren sie einander ähnlich. Nur politisch gerieten sie in Planetenferne: Thomas Mann als Verteidiger des deutschen Kaiserreichs, Heinrich Mann als dessen entschiedener Kritiker. Vier Jahre arbeitete Thomas Mann an den Betrachtungen eines Unpolitischen, die im Kern eine Polemik gegen den Bruder darstellen, der darin als »Zivilisationsliterat« attackiert wird.
Hanjo Kesting hat den bitteren Bruderzwist aus Briefen der Brüder und anderen Dokumenten rekonstruiert und zu einer Textcollage zusammengestellt, die auch nach fast hundert Jahren nichts an exemplarischer Bedeutung verloren hat.
Ursula Illert, Schauspielerin, geboren 1946, Studium an der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst. Engagements an verschiedenen Theatern. 1986 tauschte sie ihren Platz auf der Bühne mit dem hinter den Mikrophonen der Rundfunkanstalten. Es fasziniert sie, allein mit ihrer Stimme die Menschen zu erreichen. Neben der Rundfunkarbeit liest sie Hörbücher ein, ist mit Lesungen, literarisch-musikalischen Kleinkunstprogrammen mit der Musikerin Anka Hirsch oder mit dem Frankfurt Jazz Trio mit Jazz und Lyrik unterwegs.
Siegfried W. Kernen, geboren 1940 in Vorpommern, wuchs am Zürichsee auf. Seit 1964 ist er als Schauspieler in Deutschland tätig. Wichtige Theaterstationen seiner Arbeit sind Bonn, Berlin (Freie Volksbühne, Theater des Westens) und Hamburg (Thalia Theater). Viele Jahre arbeitete er ausschließlich für das Fernsehen. Am nachhaltigsten dürfte sein Zollfahnder Hobel aus den ARD-Wirtschaftskrimis Schwarz-Rot-Gold in Erinnerung sein. Nach reger Tätigkeit für den Rundfunk hält Siegfried W. Kernen in letzter Zeit hauptsächlich Literaturlesungen. Er lebt seit über dreißig Jahren in Hamburg.
Hanjo Kesting, geboren 1943, war von 1973 bis 2006 Leiter der Hauptredaktion Kulturelles Wort beim Norddeutschen Rundfunk. Seit Mai 2006 ist er als Redakteur der Zeitschrift Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte tätig. Letzte Publikationen: Ein bunter Flecken am Kaftan. Essays zur deutsch-jüdischen Literatur, Göttingen 2005. – Der Musick gehorsame Tochter. Mozart und seine Librettisten, Göttingen 2005. – Geheimnis und Melancholie. Literarische Zerstreuungen, Hannover 2005. – Ein Blatt vom Machandelbaum. Deutsche Schriftsteller vor und nach 1945, Göttingen 2008. 1982 erhielt er den Kritikerpreis der Salzburger Festspiele, 2005 wurde ihm der Kurt-Morawietz-Literaturpreis der Stadt Hannover verliehen, 2007 folgte die Ehrenpromotion der Universität Hamburg. Hanjo Kesting ist Vorsitzender des Kuratoriums der Günter Grass-Medienstiftung Bremen.
Jochen Nix ist Fernseh- und Theaterschauspieler und Regisseur. Seit über 40 Jahren arbeitet er als Sprecher für Funk und Fernsehen, vor allem für den Bayerischen Rundfunk, den Norddeutschen Rundfunk und den Hessischen Rundfunk, seit vielen Jahren auch als Regisseur für Features und Hörspiele. In seiner Laufbahn als Theaterschauspieler spielte er unter anderem den Herzl in George Taboris Mein Kampf (St. Gallen 1992) und die Titelrolle in Lessings Nathan der Weise (Darmstadt 1993). Im Fernsehen gab er u.a. die Hauptrolle in der 13-teiligen Serie Himmelsheim des SWR. Im Frankfurter Raum ist Jochen Nix vor allem auch durch seine Lesungen bekannt.
Buchpremiere! Zum 150. Geburtstag von Samuel Fischer liest Barbara Hoffmeister aus ihrer Biographie S. Fischer, der Verleger. Eine Lebensbeschreibung (S. Fischer Verlag)
Der deutschsprachige Jude S. Fischer aus Ungarn wird innerhalb weniger Jahre der bedeutendste deutsche Verleger der Moderne an der Wende zum 20. Jahrhundert, er gestaltet die künstlerischen und geistigen Entwicklungen seiner Zeit mit, er macht mit seinem Unternehmen Literaturgeschichte. Doch von seiner Person weiß man fast nichts. Wer war dieser geschickte Geschäftsmann mit dem Gefühl für literarische Qualität? Wie reagierte jemand wie er auf die antisemitischen Anfeindungen im Kaiserreich, in der Weimarer Republik, im Dritten Reich? Barbara Hoffmeister ist diesen Fragen und vielen Spuren mit reicher Kenntnis und wachem Gespür nachgegangen und hat ein lebendiges Bild von Samuel Fischer entworfen.
Barbara Hoffmeister studierte Philosophie und Literaturwissenschaft; sie arbeitet freiberuflich als Redakteurin, Herausgeberin und Autorin für verschiedene Verlage. Bei S. Fischer veröffentlichte sie zuletzt zusammen mit Robert Gernhardt Das Randfigurenkabinett des Doktor Thomas Mann.
Anschließend Empfang für unseren Freundeskreis!
Dorothea Razumovsky liest aus: Letzte Liebe (weissbooks.w)
»Jetzt reicht es!«, sagt sich die alte Dame, die genug hat von den Sticheleien ihrer Stieftochter, und mietet sich in einem Seniorenstift ein: um frei zu sein, um tun und lassen zu können, was sie für richtig hält. Mit Witz, Wagemut und unstillbarem Erfahrungshunger taucht sie ein in ein neues Leben mit neuen Freunden und Verehrern, begleitet von ihrem Hund Cora und ihrem Laptop. Und entdeckt, daß es, auch für sie, noch Liebe gibt und daß es nie zu spät ist, zu sich selber zu kommen.
Letzte Liebe erzählt von einer Junggebliebenen, die sich mit einer Mischung aus List und Neugier in jeder Situation zu behaupten weiß.
Dorothea Razumovsky arbeitete für den Rundfunk und namhafte Zeitungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Autorin mehrerer Sachbücher, überwiegend zu Themen der Geschichte und Außenpolitik. Sie lebt in Lich in Hessen.
Frankfurter Bürgerstiftung in Zusammenarbeit mit dem Cronstettenhaus Frankfurt


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