»Mäzene - Stifter - Stadtkultur«
»Das Menschenrecht auf Kultur«
Vortrag von Prof. Dr. Klaus Reichert, Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung
»Kultur braucht Wissen, braucht Bildung, braucht Geschichte und Tradition. Ohne diese vier ist das, was heute unter dem Namen Kultur passiert, Event, also wörtlich etwas, das einfach nur passiert und dann wieder weg ist.« (Klaus Reichert) Klaus Reichert studierte Philosophie, Anglistik und Germanistik in Marburg, London, Berlin, Gießen und Frankfurt/M.. 1964-68 war Reichert Lektor in den Verlagen Suhrkamp und Insel. Promotion 1970 in Frankfurt. Anschließend erhielt er eine ordentliche Professur für Anglistik/Amerikanistik an der Johann Wolfgang von Goethe-Universität Frankfurt. Seit 1993 ist Reichert geschäftsführender Direktor des interdisziplinären Zentrums zur Erforschung der Frühen Neuzeit an der Universität Frankfurt. Seit Herbst 2002 ist Klaus Reichert zum Präsidenten der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung gewählt worden. Nach dem Vortrag laden wir Sie alle zu einem Empfang und zu Gesprächen in den 2. Stock ein.
Herzlich willkommen!
»Kultur - staatliches oder bürgerliches Engagement«
Vortrag von Professor Dr. phil. h.c. Klaus-Dieter Lehmann, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Die Bürgergesellschaft als Teil der politischen und staatlichen Struktur hat seit dem wilhelminischen Zeitalter im ausgehenden 19. Jahrhundert bis heute erhebliche Veränderungen erfahren. Entsprechend unterschiedlich ist die Förderung von Kunst und Kultur durch die bürgerlichen Mäzene. Wie steht es heute mit dem vitalen öffentlichen Interesse und der persönlichen Bereitschaft? Sind die richtigen Voraussetzungen gegeben? Welche Rolle spielen Bildung, Steuer- und Stiftungsrecht, Tradition, zunehmende Individualisierung? Gibt es ein positives Klima für Stifter im Kulturbereich? Klaus-Dieter Lehmann war u.a. leitender Bibliotheksdirektor der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main, Direktor der Fachhochschule für Bibliothekswesen, Generaldirektor der Deutschen Bibliothek Frankfurt am Main und der Deutschen Bücherei Leipzig (Die Deutsche Bibliothek). Er ist u.a. Vizepräsident des Goethe Institut Inter Nationes und arbeitet in verschiedenen nationalen und internationalen Gremien.
»Mäzene, Stifter, Stadtkultur« Vortragsreihe der Frankfurter Bürgerstiftung: Goethe und seine Ästhetik
Vortrag von Prof. Dr. Christian Schärf
Der Vortrag versucht Goethes Ästhetik von zwei Seiten näher zu bestimmen. Zunächst soll sein Naturbegriff untersucht werden, wie er sich seit der Zeit des Sturm und Drang über mehrere Stufen hinweg entwickelt hat. Die Natur bildet das Fundament für Goethes gesamte Poetik und nicht zuletzt auch für den Komplex seiner Ästhetik. Deren ganze Be-J.W. von Goethe deutung wird aber erst deutlich, wenn man
Goethes Schaffen als einen unausgesetzten Prozeß der Steigerung des individuellen Selbst versteht, der auch über Krisen hinweg ungebrochen verfolgt wird. Unter Ästhetik wäre demnach nicht bloß ein Kunstdenken zu verstehen, sondern mit und seit Goethe auch und vor allem der Entwurf des produktiven Ich durch das Medium von Biographie und Werk. Es soll abschließend gezeigt werden, welche Bedeutung diese Entdeckung gerade auch für die moderne Ästhetik aufzuweisen hat.
Christian Schärf, geb. 1960, Studium der Deutschen Philologie, Romanischen Philologie und Philosophie in Mainz, Paris und Valencia. Außerplanmäßiger Professor am Deutschen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und Lehrbeauftragter für Kreatives Schreiben an der Universität Hildesheim.
Schüler und Studenten haben freien Eintritt!
Vortrag von Dr. Heiner Mückenberger (Neu-Isenburg) mit Rezitation von Storm-Texten
Kartenreservierung
Es ist kaum bekannt und selbst von der Storm-Forschung unbeachtet geblieben, daß der zeitlose Poet Theodor Storm in seinem bürgerlichen Beruf Jurist war. Der Referent hat in jahrelangen Recherchen eben dieses juristische Berufsleben des Dichters ausgeleuchtet. Sein präzise ermitteltes und liebevoll ausgewertetes Quellenmaterial aus Storms juristischem wie aus seinem dichterischen Leben bietet eine interessante Gelegenheit, den Dichter neu zu entdecken. Der Vortrag wird die Entwicklung Storms vom poetischen Anfänger, der auf den elterlichen Wunsch hin das Jurastudium aufnahm, bis hin zum alten und amtsmüden Husumer Amtsrichter sichtbar machen. Es wird sich zeigen, daß Storm mit dem juristischen Beruf haderte, weil der seinen überaus verfeinerten Lebensansprüchen im Wege stand. Daher wird es auch nicht um Juristisches gehen, sondern eher darum, wie das denn zusammenging: der nüchterne Beruf auf der einen und das produktive Poetendasein auf der anderen Seite. Ein Schlußaspekt widmet sich der Frage, ob und wo Berufliches in das dichterische Werk Theodor Storms hineingeflossen ist.
Heiner Mückenberger war bis zu seiner Pensionierung über 30 Jahre lang Richter – zuletzt zwei Jahrzehnte lang als Vorsitzender einer Jugendstrafkammer am Landgericht Frankfurt am Main. Nebenher ist er als Jazzmusiker und schriftstellerisch aktiv. Aus seiner Bewunderung für den virtuosen amerikanischen Jazzposaunisten Jack Teagarden ging eine erste Buchveröffentlichung hervor – Meet Me Where They Play The Blues. Recherchen um den bürgerlichen Beruf des Dichters Theodor Storm – dieser war ja ein Berufskollege – führten zu einem weiteren Buch, eben zu Theodor Storm – Dichter und Richter.
Schüler und Studenten haben freien Eintritt!
Kartenreservierung
»Mäzene, Stifter, Stadtkultur« Vortragsreihe der Frankfurter Bürgerstiftung
Kartenreservierung
Der Vortrag wird im Jubiläumsjahr 2010 die Schopenhauersche Willenslehre unter anthropologischen, psychiatrischen und psychoanalytischen Gesichtspunkten untersuchen, wobei auf selten beachtete Vorwegnahmen der Metapsychologie Freuds einzugehen ist. Beide Denker erhellen einander wechselseitig, beide sind Schüler der französischen Aufklärung, wie sie sich in der Medizingeschichte des 19. Jahrhunderts von Cabanis bis Charcot in ihren sensualistischen Aspekten durchgesetzt hat.
In beiden Denkern verbindet sich das spezifisch romantische Interesse an seelischer Abnormität mit dem Pathos beobachtend-analytischer Wissenschaft.
Kartenreservierung

