Vorträge und Literatur
Giordano Brunos Kosmos Vortrag von Nicolas Benzin Giordano-Bruno-Gesellschaft e.V. in Zusammenarbeit mit der Frankfurter Bürgerstiftung
Vor 425 Jahren entwirft der italienische Naturphilosoph Giordano Bruno (1548-1600) in London sein neues Bild vom Kosmos. Das zu dieser Zeit noch wenig diskutierte heliozentrische Weltbild des Nikolaus Kopernikus erweitert Bruno hin zu einem unendlichen Weltall mit einer Vielzahl bewohnter Welten. Die Sterne sind für ihn Sonnen wie unsere Sonne, während andere noch annehmen, es seien Löcher in einer neunten, kristallenen Himmelssphäre, durch die das göttliche Licht scheine. Ausgehend von einem homogenen Aufbau des Kosmos, postuliert Bruno in seinen 1591 in Frankfurt am Main veröffentlichten Schriften die Existenz von extrasolaren Planeten und erklärt astronomisch völlig korrekt, warum diese mit rein optischen Mitteln schwer aufzufinden sein werden. Erst 1995 konnten moderne Astronomen die ersten Exoplaneten entdecken - so wie Bruno es vorausgesagt hatte.
In Verkennung der Richtigkeit seines neuen Bildes vom Kosmos wird der Naturphilosoph Giordano Bruno am 17. Februar 1600 nach der Verurteilung seiner Lehre durch die Inquisition in Rom lebendig auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
Diplom-Finanzwirt Nicolas Benzin, geboren 1973 in Eschwege (Hessen), ist Autor mehrerer Bücher (zuletzt Unterwegs zu den alten Kulturen des Mittelmeerraumes, Greiz 2008) und beschäftigt sich in seinen bisher ca. 75 Anthologiebeiträgen, Artikeln und Rezensionen mit der Archäologie des Mittelmeerraumes, der Entwicklung von Glaubenssystemen und verschiedenen Aspekten der okkulten Geschichte der Renaissance. Als Referent hielt er Vorträge in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Er ist Präsident der Giordano-Bruno-Gesellschaft e.V. in Frankfurt am Main und Vorsitzender des Stiftungsrates der Nicolas-Benzin-Stiftung. In dieser Eigenschaft ist er Herausgeber der wissenschaftlichen Reihe Beiträge zur Kulturgeschichte des Judentums und der Geschichte der Medizin.
Das Ich und der Unbekannte in Gottfried Benns »Probleme der Lyrik«
Vortrag von Peter O. Büttner
(Kurator unserer Ausstellung »Struwwelpeters Geschwister« – Kinderbuchillustrationen im Biedermeier zum H. Hoffmann-Jubiläum)
Der Dichter und Arzt Gottfried Benn (1886–1956) hat ganze Generationen mit seiner Lyrik und Prosa verzaubert und zählt zu den bedeutendsten Lyrikern des 20. Jahrhunderts. Im August 1951 zieht Benn in seiner berühmten Rede „Probleme der Lyrik“ in der Philipps-Universität Marburg Bilanz über sich, das Dichten und über das tragische Schicksal, Künstler zu sein. Benns originelle und artistische Streifzüge durch die Werkstatt des Künstlers haben an ihrer Faszination bis heute nichts eingebüßt, aber noch immer Fragen hinterlassen.
In seiner Poetik kommt Benn auf einen Sachverhalt zu sprechen, der bis heute nicht einhellig geklärt und erklärt ist. „Ein in keiner Weise zu reduzierendes X hat teil an der Autorschaft des Gedichts, mit anderen Worten, jedes Gedicht hat seine homerische Frage, jedes Gedicht ist von mehreren, das heiß von einem unbekannten Verfasser“.
Die Frage, von wem ein Gedicht sei, ist für Benn fundamental, wirft Probleme auf und nimmt somit einen großen Raum seines poetologischen Denkens ein. Der Vortrag hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, nach diesem „unbekannten Verfasser“ zu fragen.
Peter O. Büttner, geboren am 9. März 1980 in Offenbach am Main, ist verheiratet und lebt mit seiner Frau in Frankfurt am Main. Studium der Germanistik und Psychoanalyse in Frankfurt am Main. Er ist Doktorand am Institut für Populäre Kulturen der Universität Zürich. Mitglied der Gottfried-Benn-Gesellschaft.
Hans Christoph Buch liest aus: Reise um die Welt in acht Nächten (Frankfurter Verlagsanstalt)
Hans Christoph Buch ist der große Reisende unter den deutschen Schriftstellern. Jetzt legt er einen neuen Abenteuer- und Reiseroman vor, voller unterhaltsamer Geschichten. Wir begleiten den namenlosen Erzähler, einen furchtlosen und kritischen Beobachter, auf acht seiner Reisen. In Mumbai bewegt sich der Erzähler durch die Rotlichtbezirke der Stadt, er ist gleichermaßen angezogen und abgestoßen vom Schmutz und vom billigen Sex an jeder Ecke. Eine Minderjährige bietet sich ihm an, um ein Haar gibt er einem seltsamen Verlangen nach. Er begleitet einen Arzt und HIV-Experten, der ihn mit dem ganzen Elend der Prostitution konfrontiert. In der Hitze ein nicht enden wollendes Hupkonzert, die Abgase formen schwere Wolken, darüber steht die flirrende Sonne. Weiter reisen wir nach Islamabad, folgen dem Erzähler auf seiner Suche nach einem halbwegs legalen Whiskey und dem verschwundenen deutschen Kriegsreporter Kapruner. Zusammen mit einer kleinen deutschen Kulturdelegation kommen wir nach Beijing und Shanghai, sitzen mit ihm in der Kälte im Packeis der Antarktis fest, delirieren in der Hitze des Senegals und des Kongos und landen inmitten der Wirren eines Putsches auf Haiti.
Entstanden ist ein lebendiger und humorvoller Reiseroman, der die Welt abseits bekannter touristischer Ziele ebenso liebevoll wie aufmerksam beobachtend beschreibt. Eine Travestie und Burleske, eine abenteuerliche Reise um die Welt in acht Nächten.
Hans Christoph Buch war 1963 der vielleicht jüngste Teilnehmer der Gruppe 47 überhaupt. Als Essayist und Reporter ist er Verfasser unzähliger politischer Artikel und Reisereportagen, insbesondere aus dem karibischen Raum und aus afrikanischen Krisengebieten. 2004 erhielt er den renommierten Preis der Frankfurter Anthologie. In der FVA erschien 2007 seine Novelle „Tod in Habana“.
Alfred Grosser liest aus: Von Auschwitz nach Jerusalem. Über Deutschland und Israel (Rowohlt Verlag)
Der Gaza-Krieg hat die Fragen wieder aufgeworfen: Wie scharf darf man Israel kritisieren? Messen die Israel-Kritiker mit zweierlei Maß – oder die Israel-Verteidiger? Und wann ist die Grenze zum Antisemitismus überschritten?
Wenn es um den jüdischen Staat geht, kochen sechzig Jahre nach dessen Gründung die Emotionen regelmäßig hoch. Das hat insbesondere in Deutschland damit zu tun, daß in der Debatte unterschiedliche Auffassungen darüber aufeinanderprallen, welche Lehren aus der Shoah zu ziehen seien.
Aus der Perspektive eines Franzosen, der als deutscher Jude geboren wurde, bringt Alfred Grosser Klarheit in dieses von Polemik, Unterstellungen und Verzerrungen geprägte Feld. Er würdigt die deutsche Erinnerungspolitik und zeigt zugleich auf, wo diese doktrinär erstarrt ist. Für ihn kann die Konsequenz aus dem Judenmord nur lauten: Die Menschenrechte sind unteilbar und immer und überall einzufordern. Sie gelten für Muslime nicht weniger als für Juden – in Palästina, aber auch in Europa selbst. Ein wichtiges Buch zu einem Thema, das uns noch lange begleiten wird.
Alfred Grosser, geboren 1925 in Frankfurt am Main, war Professor am Institut d’études politiques, Paris. In Deutschland ist er seit den fünfziger Jahren durch seine Zeitungsartikel, Reden, Bücher und Auftritte in Radio und Fernsehen bekannt. 1975 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, danach zahlreiche weitere Ehrungen. 2006 wurde in Bad Bergzabern ein Schulzentrum nach ihm benannt. Nach wie vor hat er in Deutschland etwa 30 öffentliche Auftritte pro Jahr.
Schüler und Studenten haben freien Eintritt
»In meinen Träumen läutet es Sturm« Astrid Jacob gestaltet einen Abend mit Texten von Mascha Kaléko
Jüdische Gemeinde Frankfurt in Zusammenarbeit mit der Frankfurter Bürgerstiftung im Rahmen der Jüdischen Kulturwochen
Mein schönstes Gedicht?
Ich schrieb es nicht.
Aus tiefsten Tiefen stieg es.
Ich schwieg es.
Mascha Kaléko
Mit viel Wärme macht sie [Astrid Jacob] den Menschen Mascha Kaléko lebendig, für den die erste Nachkriegszeit schon wieder Vorkriegszeit bedeutet, die Frau, die mit Witz männliche Gleichgültigkeiten aufspießt, die Europäerin, die mit Amerika zusammenprallt, in Paris das zärtliche Gestern wieder findet und nach Berlin immer noch sucht.
(Münchner Merkur, 5. Juli 1979)
Mascha Kaléko wurde 1907 im galizischen Schidlow (heute Polen) geboren. Die Mutter flüchtete mit ihren beiden Töchtern 1914 vor Pogromen nach Deutschland, wo Mascha Kaléko in Frankfurt am Main, Marburg und Berlin ihre Schulzeit verbrachte. Ab 1925 arbeitete sie im Büro des Arbeiterfürsorgeamts der jüdischen Organisationen Deutschlands in Berlin. Das lyrische Stenogrammheft, das sie berühmt machte, wurde 1933 veröffentlicht: bereits wenige Monate nach seinem Erscheinen fiel es nationalsozialistischen Bücherverbrennungen zum Opfer. 1938 ging sie mit ihrem Mann und ihrem Sohn in die Vereinigten Staaten, 1960 emigrierte die Familie nach Israel. Nach dem Krieg wurde Das lyrische Stenogrammheft im Rowohlt-Verlag wieder verlegt, doch obwohl Mascha Kaléko weiterhin als Dichterin, Werbetexterin und Kinderbuchautorin schriftstellerisch tätig war, konnte sie an ihren großen Erfolg in Deutschland nicht anknüpfen. Sie starb 1975 – nach dem Tod ihres Sohnes und Mannes – in Zürich.
Astrid Jacob erhielt ihre Ausbildung an der Westfälischen Schauspielschule Bochum, Engagements als Schauspielerin u.a. in Bochum, Saarbrücken, Krefeld, Nürnberg, Frankfurt am Main und am Staatstheater Stuttgart folgten. Als Kabarettistin wirkte sie im Ensemble der Münchner Lach- und Schießgesellschaft mit. Astrid Jacob beschäftigte sich seit 1977 mit dem Werk Mascha Kalékos und war damit eine der ersten, die deren literarisches Erbe wiederentdeckten. Für ihre literarischen Abende bei der Lach- und Schießgesellschaft mit Mascha Kalékos Texten und Fernsehaufzeichnungen wurde Astrid Jacob mit mehreren Kulturpreisen ausgezeichnet. Seit 1991 arbeitet sie als freischaffende Regisseurin, sowohl im Schauspiel als auch im Musiktheater. Sie ist seit 2007 Intendantin der Schloßfestspiele Willich-Neersen.
»Literatur im Schloß: Die Manns« Der kleine Grenzverkehr. Zum Verhältnis von Wirklichkeit und Literatur in den großen Romanen Thomas Manns.
Vortrag von Prof. Dr. Hans Wißkirchen, Buddenbrookhaus Lübeck
Thomas Manns Romane stehen alle in einem ganz einzigartigen Verhältnis zur Wirklichkeit. Sie zeugen auf der einen Seite von einem ausgeprägten Realismus. Die Oberfläche der Realität, die Einzelheiten der Menschen, Landschaften, Gebäude und Gegenstände werden oft genauestens geschildert. Sie spielen auf der anderen Seite in Traumwelten, die mit der geschilderten Wirklichkeit kaum etwas gemein haben. Wie das komplizierte Wechselspiel sich darstellt, wie seine Kunst es immer wieder schafft, diesen eigentlich unüberbrückbaren Gegensatz zu überwinden – das versucht der Vortrag anhand von Beispielen zu zeigen. Die behandelten Romanwelten reichen dabei von den frühen Buddenbrooks bis hin zum Spätwerk, dem Doktor Faustus und dem Felix Krull.
Prof. Dr. Hans Wißkirchen, geboren 1955 in Düsseldorf, studierte Germanistik und Philosophie und promovierte über Thomas Manns »Der Zauberberg« und »Doktor Faustus«. Seit 1993 ist er Leiter des Buddenbrookhauses, seit 2001 als Direktor der Kulturstiftung Hansestadt Lübeck auch für das Günter Grass-Haus verantwortlich. Seit 2006 ist er als geschäftsführender Direktor der LÜBECKER MUSEEN und Honorarprofessor für Neuere Deutsche Literatur an der Medizinischen Universität zu Lübeck tätig. Hans Wißkirchen ist Vorstandssprecher der Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten in Berlin sowie Präsident der Deutschen Thomas Mann-Gesellschaft und Vizepräsident der Heinrich Mann-Gesellschaft.
»Literatur im Schloß: Die Manns« “Spitzbübischer Spötter“ und „Treuherzige Nachtigall“? Thomas Mann und Hermann Hesse – zur Genese einer Freundschaft.
Vortrag von Volker Michels, Suhrkamp Verlag Frankfurt, mit anschließender Diskussion
Verschiedener kann man nicht sein als der großbürgerliche Kaufmannssohn Thomas Mann und der zivilisationskritische Hermann Hesse, Sohn pietistischer Missionare. Thomas Mann: von weltläufiger Eleganz, virtuos, extrovertiert und stets auf Repräsentanz bedacht; Hermann Hesse: schwäbisch-bedächtig, öffentlichkeitsscheu und introvertierter Outsider. Enzyklopädist und norddeutscher Leistungsethiker der eine, Lyriker, Maler und asketischer Moralist der andere. Und dennoch beide: Inbegriff besten Deutschlands des letzten Jahrhunderts mit einem Lebenswerk von einzigartigem Reichtum und gleichermaßen weltweiter Wirkung. Auf welche Weise diese so unterschiedlichen Charaktere zusammenfanden, ist eines der Themen dieses Vortrags. Ein anderes ist ihr Humor, ihr unterschiedliches und höchst aufschlußreiches Verhältnis zur Musik, ihr Leiden an Deutschland, das Hesse bereits 1912, Thomas Mann 1933 dazu bewogen hat, die Heimat zu verlassen. Diese und weitere verblüffende Gemeinsamkeiten, die trotz gegensätzlicher Naturelle eine Freundschaft ermöglicht haben, zeigt Volker Michels anhand der Korrespondenz der beiden Dichter und am Beispiel noch unbekannter Aufzeichnungen aus Hermann Hesses Nachlaß, die in ihrer unstilisierten Offenheit als Gegenstück zu den Tagebuchnotizen Thomas Manns gesehen werden können.
Volker Michels, 1943 in Villingen, Schwarzwald, geboren, besuchte die Schule Schloß Salem und studierte Medizin und Psychologie in Freiburg und Mainz. Seit 1970 war er als Lektor für deutsche Literatur und als Herausgeber zahlreicher Autoren und Editionen im Suhrkamp und Insel Verlag tätig. Besonders widmete er sich der Publikation der nachgelassenen Schriften, Briefe, der politischen und kulturkritischen Schriften von Hermann Hesse sowie von Materialienbänden zu den Hauptwerken dieses Autors. Im Jahr 2008 schloß er die Arbeit an der ersten Gesamtausgabe der Werke Hermann Hesses ab – diese umfaßt 21 Bände und 14.000 Seiten.
»Lyrik im Schloß« - Osteuropäische Lyrik
Konzeption und Betreuung der Reihe »Lyrik im Schloß«: Hanne Kulessa
Mit dem Menschenrecht auf Poesie begann 2007 die Reihe »Lyrik im Schloß«. Bisher wurde in Lesungen und Vorträgen rumänische, russische, englische und amerikanische Lyrik vorgestellt. Im Jubiläumsjahr setzen wir die Reihe fort mit ukrainischer Lyrik, vorgestellt von Jurko Prochasko und Birgitta Assheuer.
Der Literaturwissenschaftler, Übersetzer, Essayist und Publizist Jurko Prochasko wurde 1970 im ostgalizischen Iwano-Frankiwsk/Westukraine geboren. Er studierte Germanistik an der Universität Lemberg. U.a. hat er Werke von Robert Musil, Joseph Roth, Heinrich von Kleist und Franz Kafka übersetzt. Zusammen mit Taras Prochasko und Magdalena Blaszczuk gab er das Buch Galizien-Bukowina-Express (Wien 2007) heraus. 2008 wurde er mit dem Friedrich-Gundolf-Preis für die Vermittlung deutscher Kultur im Ausland, den die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verleiht, ausgezeichnet. Jurko Prochasko lebt in Lemberg und lehrt dort Literatur.
Birgitta Assheuer ist Sprecherin und zu hören in zahlreichen Kultur- und Literatursendungen der Rundfunkanstalten, in renommierten Fernsehmagazinen wie Kulturzeit (3sat), titel thesen temperamente (ARD), Metropolis (Arte), in Sendereihen wie Bilderbuch Deutschland (WDR), bei Musik- und Literaturfestivals, als Erzählstimme in Kino- und Fernsehdokumentationen. Für Hörbuchverlage liest sie Romane und Lyrik. Szenische Lesungen gehören ebenso zu ihrem Repertoire wie Konzertlesungen, zum Beispiel mit dem hr-Sinfonieorchester in Frankfurt. Nach ihrem Studium der Germanistik und Musik in Köln ergaben sich über die Kompositionsklasse von Mauricio Kagel Solo- und Ensembleauftritte im Rahmen der Neuen Musik und etliche freie Projekte. Entscheidend für ihren Zugang zum Textmaterial waren Studien bei Zygmunt Molik, der Sprech-Film-Schauspielunterricht bei Yurek Bogayewicz, beide Mitglieder des einstigen Grotowski-Theater-Laboratoriums. Brigitta Assheuer lebt in der Nähe von Frankfurt am Main.
Schüler und Studenten haben freien Eintritt!
»Literatur im Schloß: Die Manns« Heinrich Mann und Thomas Mann. Ein deutscher Bruderzwist. Aus den Quellen dokumentiert von Hanjo Kesting.
Ein literarischer Abend von Dr. h. c. Hanjo Kesting mit Ursula Illert, Siegfried W. Kernen und Jochen Nix; Einführung: Dr. h. c. Hanjo Kesting
Als der Erste Weltkrieg begann, standen sie auf der Höhe ihres Lebens und gehörten zu den namhaftesten deutschen Autoren: die Brüder Heinrich Mann und Thomas Mann. Der jüngere Thomas hatte mit den Buddenbrooks die europäische Romankunst des 19. Jahrhunderts vollendet, der ältere Heinrich galt als Meister politischer Satire, auch wenn sein Roman Der Untertan 1914 nicht mehr erscheinen konnte, und als Ziehvater des Expressionismus (»der Meister, der uns alle schuf« nach einem Wort von Gottfried Benn).
Vieles verband die großen Brüder, in vielem waren sie einander ähnlich. Nur politisch gerieten sie in Planetenferne: Thomas Mann als Verteidiger des deutschen Kaiserreichs, Heinrich Mann als dessen entschiedener Kritiker. Vier Jahre arbeitete Thomas Mann an den Betrachtungen eines Unpolitischen, die im Kern eine Polemik gegen den Bruder darstellen, der darin als »Zivilisationsliterat« attackiert wird.
Hanjo Kesting hat den bitteren Bruderzwist aus Briefen der Brüder und anderen Dokumenten rekonstruiert und zu einer Textcollage zusammengestellt, die auch nach fast hundert Jahren nichts an exemplarischer Bedeutung verloren hat.
Ursula Illert, Schauspielerin, geboren 1946, Studium an der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst. Engagements an verschiedenen Theatern. 1986 tauschte sie ihren Platz auf der Bühne mit dem hinter den Mikrophonen der Rundfunkanstalten. Es fasziniert sie, allein mit ihrer Stimme die Menschen zu erreichen. Neben der Rundfunkarbeit liest sie Hörbücher ein, ist mit Lesungen, literarisch-musikalischen Kleinkunstprogrammen mit der Musikerin Anka Hirsch oder mit dem Frankfurt Jazz Trio mit Jazz und Lyrik unterwegs.
Siegfried W. Kernen, geboren 1940 in Vorpommern, wuchs am Zürichsee auf. Seit 1964 ist er als Schauspieler in Deutschland tätig. Wichtige Theaterstationen seiner Arbeit sind Bonn, Berlin (Freie Volksbühne, Theater des Westens) und Hamburg (Thalia Theater). Viele Jahre arbeitete er ausschließlich für das Fernsehen. Am nachhaltigsten dürfte sein Zollfahnder Hobel aus den ARD-Wirtschaftskrimis Schwarz-Rot-Gold in Erinnerung sein. Nach reger Tätigkeit für den Rundfunk hält Siegfried W. Kernen in letzter Zeit hauptsächlich Literaturlesungen. Er lebt seit über dreißig Jahren in Hamburg.
Hanjo Kesting, geboren 1943, war von 1973 bis 2006 Leiter der Hauptredaktion Kulturelles Wort beim Norddeutschen Rundfunk. Seit Mai 2006 ist er als Redakteur der Zeitschrift Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte tätig. Letzte Publikationen: Ein bunter Flecken am Kaftan. Essays zur deutsch-jüdischen Literatur, Göttingen 2005. – Der Musick gehorsame Tochter. Mozart und seine Librettisten, Göttingen 2005. – Geheimnis und Melancholie. Literarische Zerstreuungen, Hannover 2005. – Ein Blatt vom Machandelbaum. Deutsche Schriftsteller vor und nach 1945, Göttingen 2008. 1982 erhielt er den Kritikerpreis der Salzburger Festspiele, 2005 wurde ihm der Kurt-Morawietz-Literaturpreis der Stadt Hannover verliehen, 2007 folgte die Ehrenpromotion der Universität Hamburg. Hanjo Kesting ist Vorsitzender des Kuratoriums der Günter Grass-Medienstiftung Bremen.
Jochen Nix ist Fernseh- und Theaterschauspieler und Regisseur. Seit über 40 Jahren arbeitet er als Sprecher für Funk und Fernsehen, vor allem für den Bayerischen Rundfunk, den Norddeutschen Rundfunk und den Hessischen Rundfunk, seit vielen Jahren auch als Regisseur für Features und Hörspiele. In seiner Laufbahn als Theaterschauspieler spielte er unter anderem den Herzl in George Taboris Mein Kampf (St. Gallen 1992) und die Titelrolle in Lessings Nathan der Weise (Darmstadt 1993). Im Fernsehen gab er u.a. die Hauptrolle in der 13-teiligen Serie Himmelsheim des SWR. Im Frankfurter Raum ist Jochen Nix vor allem auch durch seine Lesungen bekannt.
Vortrag von Dr. Heiner Mückenberger (Neu-Isenburg) mit Rezitation von Storm-Texten
Kartenreservierung
Es ist kaum bekannt und selbst von der Storm-Forschung unbeachtet geblieben, daß der zeitlose Poet Theodor Storm in seinem bürgerlichen Beruf Jurist war. Der Referent hat in jahrelangen Recherchen eben dieses juristische Berufsleben des Dichters ausgeleuchtet. Sein präzise ermitteltes und liebevoll ausgewertetes Quellenmaterial aus Storms juristischem wie aus seinem dichterischen Leben bietet eine interessante Gelegenheit, den Dichter neu zu entdecken. Der Vortrag wird die Entwicklung Storms vom poetischen Anfänger, der auf den elterlichen Wunsch hin das Jurastudium aufnahm, bis hin zum alten und amtsmüden Husumer Amtsrichter sichtbar machen. Es wird sich zeigen, daß Storm mit dem juristischen Beruf haderte, weil der seinen überaus verfeinerten Lebensansprüchen im Wege stand. Daher wird es auch nicht um Juristisches gehen, sondern eher darum, wie das denn zusammenging: der nüchterne Beruf auf der einen und das produktive Poetendasein auf der anderen Seite. Ein Schlußaspekt widmet sich der Frage, ob und wo Berufliches in das dichterische Werk Theodor Storms hineingeflossen ist.
Heiner Mückenberger war bis zu seiner Pensionierung über 30 Jahre lang Richter – zuletzt zwei Jahrzehnte lang als Vorsitzender einer Jugendstrafkammer am Landgericht Frankfurt am Main. Nebenher ist er als Jazzmusiker und schriftstellerisch aktiv. Aus seiner Bewunderung für den virtuosen amerikanischen Jazzposaunisten Jack Teagarden ging eine erste Buchveröffentlichung hervor – Meet Me Where They Play The Blues. Recherchen um den bürgerlichen Beruf des Dichters Theodor Storm – dieser war ja ein Berufskollege – führten zu einem weiteren Buch, eben zu Theodor Storm – Dichter und Richter.
Schüler und Studenten haben freien Eintritt!
Kartenreservierung





